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2018-02-14 Auszeichnung Nürnberger Theater "Zwangsvorstellung"

in 2018 14.02.2018 14:35
von Andrea Schmelzle • Aktiver Nutzer des Forums | 37 Beiträge

Auszeichnung für „Weißwurstjahre“

Auszeichnung für „Weißwurstjahre“ des Nürnberger Theaters „Zwangsvorstellung“ – Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. vergibt Preis für beste Inszenierung

Am vergangenen Wochenende erhielt das Theater Zwangsvorstellung aus Nürnberg für die Produktion „Weißwursttage“ im Theater Wasserburg den Preis für die beste Inszenierung der 13. Wasserburger Theatertage. Vergeben wurde die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung von Wolfgang Hauck, Vorsitzender des Verbandes Freie Darstellende Künste Bayern e. V. Im Anschluss an die Auszeichnung wurde die gekürte Produktion wurde noch einmal gezeigt.

Im Rahmen seiner Laudatio stellte Wolfgang Hauck es dem Publikum zur Wahl, ob es das Stück überhaupt sehen möchte. Es wollte. Hätte es wenigstens drei Gegenstimmen gegeben, wäre das eine gute Möglichkeit für jeden im Raum gewesen, hinterher zu erklären, er hätte zu denjenigen Drei gezählt, die dagegen gewesen wären. Als die Produktion im letzten Frühjahr auf den Wasserburger Theatertagen zu sehen gewesen war, hatte es bei Zeitungslesern, die sich das Stück zwar nicht angesehen hatten, sich aber auf die Rezension darüber beriefen, für Empörung gesorgt. Es war von „Geschmacklosigkeit“, „Blasphemie“ und „Schmierentheater“ die Rede.

Böse, schmutzig und intensiv

Die Jury der Theatertage hatte jedoch befunden, es lohne sich, einen Blick hinter diese „vordergründig klamaukige“ Fassade zu werfen und das Nürnberger Kollektiv, in dem fränkische Kabarettisten und Musiker wie Matthias Egersdörfer und Bird Berlin mitwirken, dafür zu ehren, dass es sich Themen widmet, ohne sich einem Publikumsgeschmack zu unterwerfen oder sich durch ein Tabu von scharfer Gesellschaftskritik abhalten zu lassen. „Das Künstlerkollektiv mag es gerne böse, schmutzig und intensiv. Wenn es anfängt, weh zu tun, fühlt sich die Nürnberger Gruppe erst wohl und watet schnell weiter, bis die Akteure knietief im Dreck stehen und in menschlichen Abgründen baden können“, heißt es in der Selbstbeschreibung des Theaters.

„Weißwurstjahre“ befasst sich mit Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen. Der Mut zu dieser Themenwahl und die Kunst, sich dabei auf einem schmalen Grat zwischen Abartigkeit und Poesie, zwischen Übelkeit und Katharsis zu bewegen, sei beachtenswert, wertete die Jury. Wolfgang Hauck fasste die Jury-Entscheidung in seiner Laudatio noch einmal zusammen: „Es werden keine Schulnoten für Inszenierungen vergeben, sondern inhaltliche Auseinandersetzungen gewürdigt, und gerade solche, die zu kontroversen Diskussionen führen.“ Claudia Schulz, Regisseurin und Autorin des Abends, nahm den Preis im Beisein zweier Kollegen des Kollektivs entgegen. Mit „Danke, ich muss jetzt ans Licht“ entschwand sie in die Technik. Es blieb ein nachdrücklicher Applaus am Ende der Vorstellung.

BU:
Wolfgang Hauck (links) übergibt die Urkunde an Claudia Schulz, Martin Fürbringer und Auszeichnung für „Weißwurstjahre“

Angefügte Bilder:
tt_preis_hauck_zwangsvorstellung.JPG
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