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2008-06-08 26. Bayerischen Theatertage - Preise

in 2008 17.06.2008 11:08
von Forumsleitung • Forumsleitung | 1.996 Beiträge

Liebe Freunde und Interessenten des Theaters Ingolstadt,

Die 26. Bayerischen Theatertage sind beendet!

In diesem Jahr beteiligten sich 28 Bühnen an dem jährlichen bayerischen
Theatertreffen. Sie zeigten insgesamt 44 verschiedene Produktionen.

Die 26. Bayerischen Theatertage erfreuten sich eines enormen
Publikumszuspruchs: So kamen in den fünfzehn Festivaltagen mehr als
16.200 Zuschauer in die Theateraufführungen und zu den abendlichen
Konzerten ins Theaterzelt auf der Donau. Die Platzauslastung lag bei
über 92%. Das Donaufloß wurde insgesamt von über 10.000 Gästen besucht.

Im Theaterzelt auf der Donau, das sich während des Festivals als
Treffpunkt für Künstler und Publikum bestens bewährte und das täglich
von den späten Vormittagsstunden bis 2.00 Uhr nachts mit Gästen gut
gefüllt war, werden um 17.00 Uhr die Preise der Fachjury (fünf
Kulturjournalisten) und der Schülerjury (30 theaterbegeisterte
Jugendliche aus Stadt und Region) vergeben. Die Prei-se der Jury sind
mit insgesamt 15.000 Euro dotiert.

Den Preis der Fachjury für die beste Aufführung im Rahmen der 26.
Bayerischen Theatertage erhält die Produktion ?Die Kopien? vom
Staatstheater Nürnberg.

Der Regisseur Jan Philipp Gloger erhält den Regie-Preis der Theatertage
für seine Inszenierung von Goethes ?Clavigo? am Theater Augsburg.

Ebenso mit Preisen bedacht werden das künstlerische Leitungsteam von
Shakespeares ?Hamlet? (Theater Erlangen) und die Sängerin Susanne Geb
für ihre besondere Ausgestaltung der Partie der ?Magda? in der Oper ?La
Rondine? (Landestheater Niederbayern).

Mit gleich zwei Preisen würdigt die Fachjury das Engagement vieler
Bühnen für das Kinder- und Jugendtheater:

Der Preis für die beste Kindertheaterproduktion bei den 26. Bayerischen
Theatertagen geht an das gastgebende Theater Ingolstadt für die
Uraufführung ?Der Bärenbeerenmaler? von Beatrice von Moreau.

Das Theater Pfütze aus Nürnberg wird für seine Aufführung ?Moby Dick?
nach Herman Melville mit dem Preis für die beste Jugendtheaterproduktion
bei den 26. Bayerischen Theatertagen ausgezeichnet.

Die Schülerjury vergibt ihren Darstellerpreis an den Schauspieler Marco
Steeger vom Staatstheater Nürnberg, der in den Aufführungen ?Die Kopien?
und ?Pornographie? begeisterte.

Als ?beste Aufführung? küren die Jugendlichen die Produktion ?Das Fest?
nach dem Film von Thomas Vinterberg (Münchner Volkstheater).

Auch die Jugendlichen vergeben einen eigenen Preis für das Kinder- und
Jugend-theater: Die Eigenproduktion ?Rettet das Märchenland!?, die von
den Schauspielstudenten der Bayerischen Theaterakademie August Everding
selbst erarbeitet wurde, wird mit dem Kinder- und Jugendtheaterpreis der
Schülerjury bedacht.

Die 27. Bayerischen Theatertage finden im Juni 2009 in Coburg statt.

Ihr

Thomas Schwarzer
Theater Ingolstadt


INHALT
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Begründungen der Juroren für die Preisvergabe <#inhalt_54552>

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Begründungen der Juroren für die Preisvergabe*
Preis für die beste Kindertheaterproduktion im Rahmen der 26.
Bayerischen Theatertage:

?Der Bärenbeerenmaler?, Theater Ingolstadt (Laudatio: Thomas Thieringer)*

?Theater, das verzaubert: Mit einer kleinen Geschichte über heftige
Emotionen, grenzenloser Neugier, großem Schrecken und Ängsten. Ganz nah
an der Realität und voller Poesie.

Ein Spiel für die jüngsten Theatergänger, das nie kindisch ist, das auch
die ?Großen? in die kindlichen Phantasien (Phantastereien) zurückholt.

Zwei Schauspieler; die sich ganz auf den Zauber der Geschichte
einlassen, weil sie sich ihrer Mittel sicher sind: Aus der Ruhe gelingen
frappierende Rollenwechsel; ganz selbstverständlich werden die Puppen zu
lebendigen Dialogpartnern.

Ein Regisseur inszeniert, der weiß, dass Genauigkeit große
Aufmerksamkeit findet, dass Beschränkung auf kleine Gesten starke
Emotionen schaffen kann.

Ein Sandkasten als Bühne, die die Welt bedeutet. Eine wunderbar
charmante, spannende Aufführung!

Ein Preis für das Ingolstädter Quartett Julia Maronde und Sascha Römisch
als Darsteller, Tim Heilmann als Regisseur und Ausstatter und die
Autorin Beatrice von Moreau.?

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.


Preis für die beste Jugendtheaterproduktion im Rahmen der 26.
Bayerischen Theatertage:
Moby Dick", Theater Pfütze (Laudatio: Anja Witzke)*

Die Welt entdecken - das kann man, indem man einfach drauflosfährt. Das
kann man aber auch, indem man liest. Nachrichten. Reportagen.
Abenteuergeschichten. Und wenn man Glück hat, passiert beides zusammen
in einer Theatervorstellung. Da fährt einer mit dem Schiff los - und man
entdeckt Welt, Weltliteratur und eine Welt-klasse Produktion. "Moby
Dick" vom Theater Pfütze ist so ein Glück. Und deshalb bekommt es einen
Preis. Den Preis für die beste Jugendtheaterproduktion dieser
Bayerischen Theatertage.
Martin Zels, Andreas Wagner und Christopher Gottwald. Nur drei
Schauspieler braucht es, um Hermann Melvilles berühmte Geschichte über
die Vermessenheit des Menschen zu erzählen. In der Regie von Karin
Eppler entern die drei das Planken-rund der Bühne, das hier natürlich
die "Pequod" darstellt, und beginnen zu erzählen, zu spielen, zu singen.
Raue Seemannlieder. Denn die Musik nimmt in der Fassung des Theaters
Pfütze einen größeren Raum ein als in der Stückvorlage. Martin Zels hat
kraftvolle A-cappella-Lieder geschrieben, die das Spiel klug
strukturieren. Und die man nach der Vorstellung immer noch im Ohr hat.
Das Schönste aber ist die Bühne von Andreas Wagner. Denn die Seile und
Taue, die da herabhängen, sind nicht nur Dekoration, sondern haben einen
Zweck. Der scheinbar so simple Bretterboden kann mit ihrer Hilfe
aufgerichtet werden - ermöglicht so einen Blick in den aufgerissenen
Bauch des Walfängers. Und einen neuen Spielort. Unter Deck, zwischen
Hängematten, Seekarten und Laternen. Es ist ein Bühnenbild zum Staunen,
das wunderbar bespielt werden kann. Jede Luke, jeder Griff, jedes Brett
- alles hat Funktion. Alles wird fantasievoll genutzt. Treibt das Spiel
voran.
Tempo, Rhythmus, Licht, Atmosphäre, Spielwitz. An dieser Produktion
stimmt einfach alles.?
Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.


*? Preis für die musikalische und darstellerische Ausgestaltung der
Partie der ?Magda? in der Oper ?La Rondine?:
Susanne Geb, Landestheater Niederbayern
(Laudatio: Thomas Thieringer)*

?Susanne Geb ist ?Magda? ? eine Zerrissene zwischen dem süßen Leben der
Großstadt und der romantischen Liebe auf dem Land. Susanne Geb spielt
die junge Frau, eine Nachfahrin der Violetta Giuseppe Verdis, mit
Grandezza, modern, heutig, fesselnd in den emotionalen Schwankungen.

Und singt Puccini wie Puccini gesungen werden muss, wenn man die Herzen
der Zuschauer erreichen will: Mit dramatischer Emphase, lyrischem
Schmelz. Puccini, der in eingängigen Melodien große Emotionen lebendig
werden lässt, wird von Susanne Geb aufs Trefflichste interpretiert.

Susanne Geb erhält den Preis der 26. Bayerischen Theatertage für ihre
herausragende Interpretation der Magda in einer Aufführung des
Landestheaters Niederbayern, die mit großer Musikalität und szenischem
Witz begeistert.?

Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.


*? Preis für das künstlerische Leitungsteam:
?Hamlet?, Theater Erlangen (Laudatio: Anja Witzke)*

?Preis oder nicht Preis - das war hier keine Frage. Denn die
?Hamlet"-Produktion des Theaters Erlangen erschien der Jury absolut
preiswürdig. Vor allem die Konzeption der Inszenierung begeisterte die
Jury, die darum das künstlerische Leitungsteam auszeichnen möchte:
Regie, Bühne, Dramaturgie - Christian von Treskow, Jürgen Lier und Sven
Kleine.

Die Jury würdigt damit vor allem, dass sich so ein kleines Haus wie das
Theater Erlangen an diesen Shakespeare-Stoff wagte. Und für das Stück
aller Stücke eine ganz eigene, auf dieses Ensemble zugeschnittene Lesart
fand. Genauso beeindruckend war die ebenso furchtlose wie geistreiche
Herangehensweise an das Stück. Uns gefiel die mutige Strichfassung, die
Konzentration auf den familiären Konflikt. Etwa die Hälfte des Textes
wurde gestrichen - obwohl das bei einer Spieldauer von knapp drei
Stunden nicht wirklich auffällt.

Vor allem aber wird mit dem Preis die Kühnheit ausgezeichnet, die
Tragödie so auf die Bühne zu bringen, dass sie zwar irgendwie klassisch
anmutet, der Zugriff aber radikal modern ist und eigentlich die
Demontage der Geschichte und ihrer Figuren bewirkt. Diese sorgfältige
Komposition, dieser Balance-Akt zwischen Schein und Sein ist Christian
von Treskow und seinem Team hervorragend gelungen.

Sicherlich hilft dabei die hohe Ästhetik des Bühnenbilds: ein Schloss
aus Eis mit einer raumgreifend geschwungenen Treppe, weiß von oben bis
unten. Hier mühen sich die Figuren im Hamlet-Schwarz aneinander, an sich
selbst ab. Hilflos. Und sehr komisch.
Auch sonst gab es hier viel zu entdecken: das Theater auf dem Theater
etwa. Oder der Hamlet-Monolog. Denn hier wird der berühmte Monolog, auf
den jedes Publikum geradezu wartet, im Chor gesprochen. Ein
vielstimmiges "Sein oder Nichtsein" ertönt da. In der Erlanger Fassung
haben alle ein Hamlet-Problem.

Im Interview hat sich Christian von Treskow dagegen verwehrt, dass ein
Theaterabend zwingend kurz sein muss, damit er vom Publikum goutiert
werden könne. Man müsse einfach mal den Gegenbeweis antreten, das waren
seine Worte. Mit dieser Aufführung hat er das getan.?

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.


*? Preis für die beste Aufführung:
?Die Kopien?, Staatstheater Nürnberg (Laudatio: Peter Skodawessely)*

?Nur eine kleine Spielfläche. 65 Minuten. Zwei Männer. Zwei Männer? Nein
- drei, vier Männer. Zwei davon Kopien des einen. Wer ist das
?Original?, wer ist der ?Richtige??
Autorin Caryl Churchill hat in ihrem Schauspiel ?Die Kopien? das
hochaktuelle Thema des Klonens und der wirklichen oder vermeintlichen
Einzigartigkeit des Individuums aufgegriffen.
In Alice Aspers psychologisch-dichter Inszenierung spielt Heimo Essl
beeindru-ckend intensiv den verzweifelt nach der Wahrheit, dem ?echten?
Sohn suchenden Vater. Sein Bühnenpartner dabei nicht minder überzeugend:
Drei Mal der Gleiche, aber nie Derselbe - dargestellt von dem ungemein
wandlungsfähigen Marco Steeger.
?Die Kopien? vom Staatstheater Nürnberg: Ein Beispiel dafür, dass
modernes Theater gleichzeitig intellektuell sein und unterhalten kann!
Für die ?beste Aufführung? dieser 26. Bayerischen Theatertage ?
verbunden mit einem Preisgeld von 2.000 Euro ? wird ?Die Kopien?
ausgezeichnet.?


*? Regie-Preis:
Jan Philipp Gloger für die Inszenierung ?Clavigo?, Theater Augsburg
(Laudatio: Laszlo Molnár)*

?Zu guter Letzt ein echter Einzelpreis bei den diesjährigen Bayerischen
Theatertagen in Ingolstadt. Der Jury hat eine weitere Aufführung
insgesamt sehr gut gefallen, aber bei dieser nun war es doch eine
Einzelleistung, der die Produktion unserer Meinung nach ihren
herausragenden Charakter verdankt:

Goethes ?Clavigo? vom Theater Augsburg in der Inszenierung des jungen
Regisseurs Jan Philipp Gloger. Wir haben hier eine klar gesetzte, scharf
profilierte Aufführung gesehen, in der jede der beteiligten Personen
ihren genau umrissenen Platz hatte: Sowohl, räumlich, im Bühnenbild von
Franziska Bornkamm als auch, inhaltlich, im Gefüge der Handlung.

Gloger hat uns das Stück, dem immer der Ruf des spröden anhängt, in eine
gegenwärtig lebendige Form übersetzt, ohne seinen historischen Ursprung
zu verleugnen, Fast möchte man sagen: man war der historischen
Begebenheit um Beaumarchais näher als dem Stück von Goethe.

Was sagen soll: Gloger, und mit ihm die Schauspieler, haben im Text den
menschli-chen Kern entdeckt und freigelegt, das Natürliche in der Kunst
gefunden. Die Auffüh-rung überzeugte in jedem Moment durch ihre
Direktheit, ihre Frische, ihre Authentizität. Nichts wirkte gewollt,
alles erschien schon erreicht. Die Schauspielerinnen und Schauspieler
erschienen uns auch durch echte Inspiration motiviert.

Eine schöne, bereichernde Produktion, für die wir Jan Philipp Gloger
einstimmig den mit 2.000 Euro dotierten Preis zugesprochen haben.
Herzlichen Glückwunsch!?

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